Annelie Wustlich berichtet aus Fresno (USA)
Besucht uns auf:

Ein Austauschjahr in den USA, für viele ein Traum…für mich wurde er letztes Jahr Wirklichkeit. Nach langer Vorbereitungsphase ( Vorstellungsinterview, Gastgeschenke kaufen, Seminar … ) ging es dann letztes Jahr im August endlich los. Schon im März wusste ich, dass ich zu einer Gastfamilie ins sonnige Kalifornien kommen würde. Um genauer zu sein in die Stadt Fresno. Per Brief bekam ich mitgeteilt, dass ich dort 5 Gastschwestern haben würde, was für mich eine völlig neue Familiensituation darstellt, da ich normalerweise nur einen Bruder habe. Kurz nach Erhalten des Briefes habe ich auf den Rat von „team“ auch gleich bei meiner Gastfamilie angerufen, wobei mir meine überglückliche Gastmutti mitteilte, dass sie im Juni ein weiteres Kind bekommen würde – diesmal wäre es ein Junge. Meine Gastmutter war wie viele in der Gegend dort von mexikanischer Abstammung. Mein Gastvater war eine Mischung vieler Kulturen. Er hatte u.A. irische und indianische Vorfahren. Es war neu für mich Teil einer so großen Familie zu sein.

Am 11.August vergangenen Jahres ging es also los. Per Flugzeug ging es über Frankfurt erst einmal nach New York, wo wir eine von „team“ organisierte Ostküstentour starteten, die uns von dort aus noch über Philadelphia und Baltimore zu unserem Endziel Washington führen sollte. Mir persönlich fiel es an diesen Tagen sehr schwer überhaupt zu realisieren, dass ich tatsächlich da war…ich war tatsächlich New York und Washington, Städte, die ich höchstens aus dem Fernsehen kannte. Städte, von denen ich immer schon geträumt hatte dort zu sein. So viele neue Eindrücke prasselten an diesen ersten Tagen auf mich ein und dabei waren wir doch noch nicht mal an unserem eigentlichen Ziel angelangt. An unserem letzten Tag in Washington, dem 15. August, hieß es dann Abschied nehmen von all den anderen Austauschschülern mit denen man gemeinsam diesen Trip erlebt hatte. Von dem Moment an in dem man in Washington das Flugzeug Richtung Gastfamilie bestieg, war man auf sich alleine gestellt. Dementsprechend aufgeregt war ich. Ich hatte zudem noch eine andere Hürde überstehen. In Los Angelos sollte ich in ein anderes Flugzeug umsteigen…bei meinem Orientierungssinn ein schweres Unterfangen. Aber dank der Freundlichkeit des Flughafenpersonals hab ich dann doch zum richtigen Gate gefunden. Mit einer Stunde Verspätung kam dann auch die kleine Maschine, die mich nach Fresno fliegen sollte. Beim späteren Landeanflug auf die Stadt hatte ich wirklich Herzrasen…in wenigen Minuten würde ich auf meine Gastfamilie treffen, doch obwohl ich die Situation schon hundertmal im Kopf durchgespielt hatte, kam ich mir ziemlich hilflos vor. Fragen kamen auf, so was wie: „Wartet meine Gastfamilie jetzt wirklich am Flughafen auf mich?“, „Wie soll ich sie begrüßen?“, „Werden sie mich überhaupt mögen?“ …

Ich war so aufgeregt. Dann betrat ich die kleine Ankunftshalle des Flughafens Fresno…und da standen sie. Mit einem großen Plakat in der Hand auf dem stand : „Welcome to the USA“

Lächelte mich meine neue Großfamilie an. Alle kamen mit zur Umarmung geöffneten Armen auf mich zu, womit sich die Frage nach der Art und Weise der ersten Begrüßung sofort erledigt hatte. Da standen sie also nun alle: Karena (5), Alana (7), Erica (11), Ruby (16), mein Gastvater Frank und meine Gastmama Lisa mit dem damals gerade erst 2 Monate alten Liam auf dem Arm. Von der ersten Sekunde an hatte ich alle sofort in mein Herz geschlossen.

Ich erfuhr von einer weiteren Gastschwester, die mit ihren 18 Jahren jedoch schon verheiratet und ausgezogen war.

Als wir an diesem Abend zuhause ankamen, wurde mir erst einmal das gesamte Haus gezeigt. Es war ein niedliches kleines Einfamilienhaus mit einem sehr großen Garten für die vielen Kinder. Sogar einen Pool hatten wir im Garten, der ,wie mir auch sehr schnell auffiel, ein absolutes Muss in dieser Gegend zur Sommerzeit war. Temperaturen bis zu 42°C waren dort keine Seltenheit.

Eine Woche schon meiner Ankunft ging dann bei mir die Schule los. Ich besuchte die Hoover High School in Fresno, welche mit dem Auto nur etwa 7 Minuten von dem Haus meiner Gastfamilie entfernt lag. Nach dem Gespräch mit meinem Councillor hielt ich auch schon stolz meinen ersten Stundenplan in der Hand. Ich sage bewusst, dass es mein erster war, denn innerhalb der nächsten Wochen habe ich noch einige Male Kurse gewechselt. Da ich nur für ein halbes Jahr in den Staaten war und ich wusste, dass ich aufgrund von 10.- Klasse -Prüfungen meiner heimischen Schule auf jeden Fall im Februar wieder nach Deutschland zurückfliegen würde, entschied ich mich bewusst dafür „nur“ ein Sophomore ( 10.-Klässler)

zu sein. Die Graduation würde ich sowieso nicht mitmachen.

Pflicht war es für mich eine Naturwissenschaft zu belegen, wo ich mich dann für einen Biologiekurs entschied und ebenfalls eine Pflichtklasse war Modern World History. Als Mathekurs gab man mir Algebra 2 und ausserdem noch eine Englischklasse und Sport. Wie schon erwähnt blieb es aber nicht bei diesem Stundenplan. Zu dieser Zeit belegte ich nur 5 von 7 möglichen Kursen. Das war mir zu wenig. Ich war doch in den USA um den Schulalltag dort kennen zulernen und dementsprechend wollte ich so viele Kurse wie möglich belegen. Außerdem fiel mir auf, dass Algebra 2 als Matheklasse viel zu einfach war.Wir behandelten Stoff in diesder Klasse, worüber wir in Deutschland in Klasse 6 schon alles gelernt hatten. Somit wechselte ich also zu Trigonometry, was in so etwa dem Level meiner Matheklasse in Deutschland entsprach. Aber auch vom Sportunterricht war ich enttäuscht und so wechselte ich lieber in die Marching Band Klasse und belegte zusätzlich noch einen Kurs in dem ich für die Marching Band das Spielen des Xylophons erlernen sollte. Auch wollte ich schon immer mal eine Theaterklasse belegen, was mir ebenfalls ermöglicht wurde und nach einigen Änderungen meiner Kurse sah mein Stundenplan wie folgt aus :



1. period = Modern World History

2. period = Biology

3. period = Theatre

4. period = English

5. period = Trigonometry

6. period = Percussion

7. period = Marching Band



Die Schultage waren an meiner Schule in „odd“ und „even“ ( gerade und ungerade ) unterteilt, d.h. an einem Tag hatten wir nur die ungeraden Stunden ( 1.,3.,5.,7. Std.) und an dem nächsten dann die geraden Stunden ( 2.,4.,6.Std. ). Jede Period war in etwa anderthalb Stunden lang und zwischendurch gab es dann jeweils 7 Minuten Pause. Ich habe es genossen insgesamt nur 7 Kurse zu belegen, da ich das von Deutschland total anders gewohnt war. Auch war das Angebot Aktivitäten nach der Schule sehr hoch. Entweder man trat in einen Klub ein wie z.B. den Biology Club, Biker Club, Debate Club, … oder man trat in ein Sportteam ein. Schon bevor ich an die Schule kam, stand für mich fest, dass ich Tennis spielen wollte und so informierte ich mich gleich am ersten Tag über dementsprechende Möglichkeiten an meiner High School. Am gleichen Tag noch sprach ich dann mit dem Tennis Coach, der sich total freute demnächst einen Austauschschüler in der Mannschaft zu haben. Ich habe diesen Schritt nie bereut. Ins Tennisteam einzutreten war eine der besten Entscheidungen, die ich dort traf und wer einmal diesen Teamgeist einer solchen amerikanischen High School Mannschaft mitbekommt weiß wovon ich spreche. An erster Position steht der Zusammenhalt und die Unterstützung im Team. Nie gab es in diesem Team Zickereien unter uns Mädchen und so machte es sehr viel Spaß jeden Tag nach der Schule noch 2 Stunden zu trainieren. Klar fiel es schwer in der Hitze zu spielen, aber es hat mir so unheimlich viel Spaß gemacht, dass das sofort wieder vergessen war.

Auch die Marching Band wurde zu einem wichtigen Teil meines Lebens dort. Da wir uns auf die Meisterschaften vorbereiten mussten gab es auch immer mal wieder abends eine Sonderprobe. Es hat mir sehr viel Spaß gebracht mit so vielen Menschen in solch einer Band zusammen Musik zu machen. Gerade durch solche Teams lernt man viele nette Menschen kennen. Und ich habe so viele davon getroffen. Am Anfang findet einen natürlich jeder erstmal super interessant, weil man aus einem anderen Land kommt…auf diese Weise knüpft man schnell Kontakte, die sich dann nach und nach zu Freundschaften entwickeln.

Auch mit meiner Familie kam ich das ganze Jahr über super klar. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich die beste Gastfamilie aller Zeiten hatte. Sie sind für mich wie eine zweite Familie geworden und ich liebe und vermisse jeden einzelnen von ihnen. Dementsprechend schwer fiel mir der Abschied dann im Februar diesen Jahres. Ich konnte mir gar nicht vorstellen diese Familie wieder zu verlassen. Natürlich freute ich mich auf meine Familie und meine Freunde zuhause, aber auf der anderen Seite wäre ich schon gerne noch ein bisschen da geblieben.

Dieses Austauschjahr zu machen war mein größter Traum und ich bin so glücklich und dankbar, dass ich ihn verwirklichen konnte. Ich hatte unzählige schöne Erlebnisse in dieser Zeit, habe viele interessante Städte gesehen ( L.A, San Francisco, Las Vegas, San Diego…) , aber am aller wichtigsten: Ich habe tolle neue Freunde gefunden und meine Familie ist nach diesem halben Jahr um so einige Mitglieder größer geworden.

Klar kommen auch mal Zweifel auf, aber die werden vergehen so schnell, wie sie aufkamen. Ich kann nur sagen, dass ich es nie bereut habe diese Entscheidung getroffen zu haben und, dass ich es jedem empfehlen würde ebenfalls ein solches Austauschjahr zu machen.