Wellington: Linda Neumann
Besucht uns auf:

Vorher:

Endlich stand fest, dass ich wirklich für ein halbes Jahr von zu Hause weggehen sollte - und zwar nach Neuseeland. Obwohl ich schon jetzt eine dicke Mappe mit Dokumenten über das Auslandsjahr besaß, konnte ich immer noch nicht ganz glauben, dass wirklich ich diese Reise unternehmen sollte. Von allen Seiten kamen Fragen über Fragen (Neuseeland- wo ist das denn?) und jede Menge gut gemeinte Ratschläge. Natürlich macht man sich auch selbst so seine Gedanken und Sorgen. Ich hatte ehrlich gesagt am meisten Angst davor, nicht wirklich Kontakt zu anderen zu finden und alleine bei einer unhöflichen Gastfamilie zu versauern - die Ängste, die jeder wahrscheinlich mal hat. Aber ich habe es auch als riesen Chance gesehen, endlich mal hier weg zu kommen und etwas völlig Neues und vor allem völlig Eigenes zu erleben. In Neuseeland würde ich endlich die Gelegenheit haben, ohne jegliche Vorurteile von anderen kennengelernt zu werden und einen kompletten Neuanfang zu machen. Ich denke, es geht fast allen Jugendlichen so, dass man dann irgendwann ja alles und alle zu Hause kennt und mal was Neues machen will. Und dafür ist so ein Auslandsjahr genau das Richtige ...

Nachher:

Auch rückblickend kann ich diese Aussage nur bestätigen. Eigentlich könnte man Bücher mit den gemachten Erfahrungen füllen, aber ich will mich nur kurzfassen. Wer's genauer wissen will, probiert es einfach selber. Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich eine superliebe Gastfamilie hatte, die mich gleich aufgenommen hat, mir aber auch wahnsinnig viel Freiraum gelassen hat. Besonders süss war meine 1jährige Gastschwester, die so niedlich war, dass ich sie am Liebsten mitgenommen hätte. Das Wellington's Girl College war auch eine völlig neue Erfahrung für mich. Wie der Name schon sagt ist es eine Mädchenschule und wie bei fast allen Schulen herrscht auch dort Uniformzwang. Auch wenn das zunächst abschreckend klingt, ist es einfach praktisch, sich keine Gedanken über die Garderobe machen zu müssen und es ist auch eine andere Atmosphäre an der Schule, wenn alle das Gleiche tragen - auch wenn es nicht sonderlich schön ist. Und zur Mädchenschule kann ich sagen, das auch dadurch die Atmosphäre total anders ist - aber in einem positiven Sinn - nicht etwa nur Zicken, wie man sich vorstellen könnte. Nur unter Mädchen sieht man so einiges wesentlich relaxter und muss sich nicht irgendwie beweisen. Ich bin wirklich froh, einmal auf einer Mädchenschule gewesen zu sein, aber trotzdem freue ich mich, dass ich zu Hause auf einer gemischten Schule bin. Auch meine größte Befürchtung, keinen Anschluss zu finden, hat sich nicht bewahrheitet, ich hatte auf vielen Partys viel Spaß mit meinen Freunden und habe auch jetzt noch Kontakt zu einigen. Mein Tipp ist, wirklich einfach und direkt auf die Leute zuzugehen, auch wenn es vielleicht am Anfang schwer fällt, aber mehr als nein sagen kann niemand. Zulezt kann ich nur noch empfehlen, möglichst viel im Land herumzutouren, man lernt Land und Leute so einfach viel besser kennen und außerdem wird man wesentlich selbstständiger und- sicherer. Allgemein kann ich sagen, dass mich mein Auslandsjahr doch in der Hinsicht verändert hat, dass ich jetzt ein ganzes Stück selbstbewusster und unabhängiger bin. Also ich kann nur jedem raten, packt eure Koffer und zieht los - es lohnt sich!