Inga Jensen berichtet von der Hutt Valley High School - Wellington (Wellington / Neuseeland)
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Vorher:

Ins Ausland gehen hört sich doch gut an. Aber wohin? Und wie lange? Und wie funktioniert das überhaupt mit der Schule und der Familie und der Sprache und und und .... . Fragen über Fragen. Am Anfang der 10. Klasse fing ich an, mal ernsthaft darüber nachzudenken, ob so etwas für mich in Frage käme. Dann ging es eigentlich ziemlich schnell: Die Wahl fiel schon bald auf drei Terms (also knapp 10 Monate) in Neuseeland.
Vom Schüleraustausch wusste ich, dass es mir Spaß machte, in einer Gastfamilie zu leben und in einem fremden Land zu sein, aber zehn Monate, das war dann doch etwas anderes... . Angst hatte ich trotzdem nicht. Ich war nur sehr aufgeregt und neugierig, was das Highschooljahr alles bringen würde. Allgemein denkt man ja vor allem, dass sich das Englisch verbessert und man selbstständiger wird. Das Vorbereitungswochenende hat dann die vielen Fragen geklärt, und so konnte es im Juli 2002 endlich losgehen ans andere Ende der Welt!

Nachher:

Der Tag in der ersten Schule war zum Weglaufen. Mein erster Gedanke war: "Hilfe, hier gehöre ich doch gar nicht hin!" So gut hat es mir in Neuseeland gefallen... Die Zeit war leider viel zu schnell vergangen.
Was mir als erstes aufgefallen ist, als ich wieder in Deutschland war, ist, wie unfreundlich die Menschen hier doch sind. In Neuseeland wird man von allen mit einem fröhlichen "Gidday dear, how are ya?" begrüßt, egal, ob es die Verkäuferin oder der Busfahrer ist. Die Kälte der Menschen hier war mir vorher nicht so aufgefallen. In Neuseeland war es so einfach, mit wildfremden Leuten ein Gespräch anzufangen, dass ich hier in Deutschland auch einfach alle ansprach und damit irritierte. Hier lacht man viel zu wenig. Wir machen uns das Leben zu schwer!

Man muss natürlich fairer Weise auch sagen, dass die Neuseeländer Glück haben mit ihrer kleinen Insel, weil sie sich um den Rest der Welt nicht groß kümmern müssen. Die Menschen sind die Ruhe in Person. "No worries, mate!" ist wohl der häufigste Spruch, den man zu hören bekommt. Damit würden wir in Deutschland wahrscheinlich einfach nicht weiter kommen. Die Konkurrenz in Europa schläft nun mal nicht. So etwas wie Wettbewerbsdenken gibt es in Neuseeland praktisch nicht.Wozu auch? Ich hatte viele Lehrer, die aus England nach Neuseeland ausgewandert sind, und die alle einstimmig meinten, dass die Neuseeländer es nicht ganz verstehen, dass wir uns so einen Stress machen...

Mit meiner (deutschen) Familie verstehe ich mich seit dem Highschooljahr genauso gut wie vorher. Meine Eltern haben mir auch vorher schon viel Freiraum gelassen, also hat sich bei der Selbstständigkeit eigentlich nichts verändert.

Wenn man so lange über den Tellerrand hinaus geschaut hat, fällt es einem natürlich schwer, sich zu Hause wieder einzugewöhnen, besonders in der Schule, denn man vergisst leicht, dass die anderen ja nicht das Gleiche erlebt haben. Die Sommerferien habe ich komplett zum Nachholen gebraucht, obwohl ich in Neuseeland in Klasse 12 war anstatt in Klasse 11. Was habe ich also mitgenommen von Neuseeland? Einen ausländischen Akzent. Viele Freunde aus der ganzen Welt und eine zweite Familie. Neue Erfahrungen, die mich ALLE weitergebracht haben, auch die weniger guten ( z.B. der Wechsel der Gastfamilie). Eine ganz neue Sicht der Dinge, ob es nun um Weltpolitik oder das Lösen von Problemen geht. Mehr als 500 Fotos, und dazu unendlich viele Eindrücke und Erlebnisse, die ich nie vergessen werde. Ich kann das Highschooljahr jedem nur empfehlen. Es ist schwer zu erklären, was es genau bringt, weil es jeden anders beeinflusst - man muss es einfach erlebt haben.