Winnipeg: Christina Becker berichtet von der Oak Park High School - Winnipeg (Manitoba / Kanada)
Besucht uns auf:

Mein Auslandsjahr in Kanada, Winnipeg, September bis Februar

 

Mein Name ist Christina Becker und ich habe fünf Monate in Winnipeg, Kanada verbracht.

Für alle die nicht genau wissen, wo Winnipeg liegt, hier ein paar kurze Informationen.

Winnipeg liegt in der Provinz Manitoba, relativ mittig in Kanada und zwei Stunden entfernt von der Amerikanischen Grenze, für kanadische Größenverhältnisse also ein Katzensprung.

Dort leben etwa  633.450 Menschen und auch wenn es sich durch die Lage nicht vermuten lässt, ist Winnipeg die kälteste Stadt ganz Kanadas. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass der Red River durch die Stadt fließt, der im Winter zufriert und dadurch die längste Eislaufstrecke der Welt entstehen lässt.

Da es von meinem Aufenthalt so viel zu erzählen gibt und ich meine ganzen Erfahrungen und Eindrücke nicht in einen Bericht fassen kann, fange ich am besten direkt vorne an und geh ein wenig die wichtigsten Events des Jahres durch.

Ich bin am 3. September in Winnipeg gelandet und nach dem anstrengenden Flug wurde ich von meinen beiden Gasteltern, John und Beth, beide über 60, liebevoll am Flughafen empfangen.

Man könnte jetzt meinen, weil die beiden schon älter sind, wären sie als Gasteltern nicht so geeignet, aber für mich war es die beste Gastfamilie die ich hätte bekommen können und sie sind für mich meine zweite Familie geworden, was den Abschied umso tränenreicher machte.

 In meinem Gastzuhause angekommen wurde mir erst einmal alles gezeigt und wenig später wurde mir meine Gastschwester Mariana vorgestellt, eine Austauschschülerin aus Mexiko, deren Schwester in Winnipeg studiert. Vielleicht hört sich das für den ein oder anderen komisch an, aber ich habe nicht nur eine neue Familie gefunden, sondern obendrein auch eine Schwester bekommen. Bei uns hat es einfach von Anfang an perfekt gepasst und ich muss sagen, dass sie die Person ist, die ich am meisten vermisse. Außerdem hatte ich auch zwei Gastbrüder, also die Söhne meiner Eltern, die aber nicht mehr Zuhause lebten, uns aber trotzdem oft besuchen kamen. Der ältere, Aaron, wurde einen Monat später Vater. Meine Gasteltern  wurden somit auch zum ersten Mal Großeltern und die Freude war natürlich bei allen unglaublich groß. Mein zweiter Gastbruder, Nathan, war auch sehr lustig und lebt mit drei anderen Studenten in einem Haus. Bei denen natürlich auch immer gut was los war.

In Winnipeg bin ich auf die Oak Park High-School gegangen, eine riesige Schule mit unglaublich vielen verschiedenen Angeboten, die man so in Deutschland gar nicht kennt. So fing meine Schule um halb neun an, und jede Schulstunde dauerte auch wirklich eine volle Stunde. Mein Stundenplan war jeden Tag der gleiche: erst Biology, Math, French, um halb eins bis halb 2 lunch und dann noch Gym und English. Es heißt zwar immer, in Amerika oder Kanada sei das Bildungsniveau niedriger, aber ich musste in Biologie lernen wir noch nie zuvor. Andererseits war es aber auch der beste Bio-Unterricht den ich je hatte. So haben wir viele Versuche gemacht und auch einen Ausflug in eine sehr bekannte Ausstellung über den Menschlichen Körper, (Bodies Exhibit)

Auch etwas außergewöhnlich war mein Sportkurs (gym), bei dem wir viel draußen gemacht haben und auch auf diverse Fieldtrips gegangen sind (Ausflüge). So waren wir Kanu fahren, Golf spielen, Squash spielen, waterpolo spielen und haben natürlich Baseball, American Football und Rugby gelernt.

Als es dann richtig kalt war, waren wir auch auf den Eisflächen vor unserer Schule Boothockey spielen, also eigentlich Eishockey nur mit normalen Schuhen, was einfach unglaublich komisch aussieht aber richtig viel Spaß macht. Dabei habe ich auch festgestellt, dass die Lehrer in Kanada viel netter sind und mehr wie Lernpartner wirken als die strengen schlechtgelaunten Lehrer die wir in Deutschland haben.

Über das halbe Jahr hinweg hat sich unglaublich viel ereignet, wie zum Beispiel Halloween. Wir sind abends verkleidet mit Freunden um die Häuser gezogen und haben Süßigkeiten bekommen nachdem wir wie im Film ‚Trick or Treat’ gebrüllt hatten. Manche Bewohner haben sogar ihr ganzes Haus in eine einzige Gruselvilla verwandelt. Am Freitag dieser Woche gab es dann den Halloween Dance, eine Party die von der Schule aus organisiert wurde und zu der wir mit einer riesigen Gruppe von Freunden hingegangen sind.

Zudem hatten wir auch viele Projekte, die von unserer Organisation aus veranstalteten wurden, wie zum Beispiel Spezialitäten eines bestimmten Landes in der Pause verkaufen, was viel Spaß gemacht hat und wobei man einiges kennen gelernt hat.

Sonst wurden für uns auch außerschulische Aktivitäten angeboten, wie zum Beispiel einen ‚Sleigh ride’ kurz vor Weihnachten, bei dem wir mit allen internationalen Studenten (ISP) auf Pferdeschlitten durch die Nacht gefahren sind und Weihnachtslieder in unserer Sprache gesungen haben. Also hier einmal ein internationales lustiges Weihnachtsfest.

Ein Ereignis welches mich aber besonders fasziniert hat war die Sweat Lodge, ein indianischer Brauch bei dem man in einem kuppelartigen Zelt sitzt und immer heiße Steine von draußen hineingebracht werden. Diese werden dann mit Wasser und Kräutern übergossen. Also eine Art Sauna, obwohl diese beiden Sachen kaum zu vergleichen sind, da die Sweat Lodge eigentlich eine spirituelle Tradition ist und wir dafür extra außerhalb von  Winnipeg in ein Indianerreservat gefahren sind, um dort mit zwei echten ‚Natives’ an dieser Zeremonie teilzunehmen. Diese Erfahrung lässt sich kaum beschreiben, da man vollkommen nass geschwitzt ist während man den Kräuterdunst einatmet und dem ‚Native’ bei seinen indianischen Liedern zuhört. Ich kann nur jedem ans Herz legen, sollte er die Chance dazu haben, auf jeden Fall teilzunehmen!

Ansonsten gingen meine fünf Monate wie im Flug um, mit den ganzen Aktivitäten und Freunden musste man schon seine Zeit ordentlich planen, um auch alles unter einen Hut zu bekommen.

Mit meinen Freunden bin ich vor Allendingen oft zu Polo Park gefahren, eine Shopping Mall (ok, hier war ich nur mit Freundinnen;)) und einem großen Kino. Oder ich war beim Forks, ein Zentrum am Red River, wo wir, als es kalt wurde, auf dem Fluss und auf den Eislaufbahnen Schlittschuh gefahren sind.

Ansonsten haben wir uns oft im Keller von einem Freund von mir getroffen und haben dort ein wenig gechillt und zu Neujahr haben wir mit allen Freunden zusammen ins neue Jahr reingefeiert.

Am letzten Abend bevor ich geflogen bin haben wir noch einmal eine riesige Party organisiert und gefeiert, was den Abschied am nächsten Morgen umso trauriger machte, sodass schon das Flughafenpersonal beim Security Check mich fragte, ob sie mir helfen könnten. :-)

Mein Aufenthalt in Kanada war wirklich eine atemberaubende Erfahrung und ich hoffe dass ich auch weiterhin viel Reisen und alle meine Freunde besuchen gehen kann.

Ich habe immer noch viel Kontakt mit meiner Familie, Schwester und Freunden und vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr im Sommer, sodass ich gerne an meine Zeit in Kanada zurückdenke und gespannt bin, was in Zukunft noch so passieren wird.

 

Fotos zu diesem Bericht

Seite: 1