Sidney-Saanich: Sina Feldkamp berichtet von der Stelly#s Secondary School - Sidney - Saanich (British Columbia / Kanada)
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Canada, eh?

 

10 Monate Kanada- das war eigentlich nur meine 2. Wahl nach den USA, die sich aber  als größtmöglicher Glücksfall herausstellte (vielleicht bin ich in dieser Hinsicht auch ein wenig meinen natürlich kaum den Amerikanern gegenüber voreingenommenen kanadischen Freunden geprägt worden… ;-) ).

Kanada, was wusste ich darüber überhaupt? An Geschichtskenntnissen haperte es, Politikfragen waren auch nur im Gröbsten geklärt und kulturell eben das, was man so als stereotypisches Bild hat: Schnee, Ahornsirup, Bären und Eishockey. Erste Aufklärungen gab es dann bald schon durch die Informationsbriefe, die ich per Post zur Vorbereitung erhielt- immer höflich sein, bei jeder Gelegenheit „sorry“ sagen (stimmt übrigens wirklich- der Running-Gag, den die Kanadier selbst von sich selbst erzählen: „If you step on somebody’s foot he will tell you that he is sorry“), etc., etc.!

 

Mit diesen und noch vielen weiteren nützlichen Tipps hieß es dann, mit einem lachendem und einem weinendem Auge von Freunden und Familie Abschied zu nehmen und mich gemeinsam mit 2 weiteren Team-Austauschschülern in den Flieger nach Vancouver zu setzen, von wo aus ich dann mit einer kleinen Propellermaschine nach Victoria auf Vancouver Island weiterfliegen sollte. Es klappte auch alles nach Plan, sodass ich nach einigen schlaflosen Stunden und einem atemberaubenden Blick auf die zahlreichen Inseln zwischen dem kanadischen Festland und Vancouver Island tatsächlich pünktlich landete. Meine Gastfamilie, bestehend aus meinen Gasteltern, zwei Gastschwestern und meiner Gastoma, die im selben Haus wohnte, empfing mich mit Umarmungen (gerade vor der Begrüßung hatte ich ziemliche Angst gehabt) und führten mich nach kurzer Fahrt in meinem neuen Heim herum, das-  ganz nach nordamerikanischen Standards-  riesig war! Übrigens wurden sie wirklich zu einer zweiten Familie für mich, sodass mein Zimmer noch immer für mich reserviert ist.  Am Anfang geht es aber wohl jedem so, dass man sich zwar wohl fühlt, aber in manchen Dingen noch sehr vorsichtig ist, doch auch das legt sich irgendwann, versprochen!

 

Dann ging es in die Schule- Stelly’s Secondary, die, wie wir Austauschschüler immer wieder betonten, allerbeste Schule, die man sich vorstellen kann! Anfangs schaffte ich es trotz Hilfe, Gebäudeplan und einfacher Dreieckskonstruktion immer wieder in die falsche Richtung zu laufen, aber irgendwann ging auch das. Vom ersten Tag an wurde ich (natürlich nur symbolisch) and die Hand genommen und überall unterstützt, sodass die Sorge vor dem Allein- oder Hilflos sein völlig unbegründet war. Meine Unterrichtsfächer waren im ersten Semester English, CompCiv (Geschichte- nur empfehlenswert!!), French Immersion (für die, die seit dem Kindergarten Französisch sprechen) und Foods und im 2. Semester English, Outdoor Pursuits (Überleben in der Wildnis inkulsive 4 tägigem Trip in die Berge- das BESTE Erlebnis überhaupt!), Psychology und Japanisch. Was die Sprache und die Schwierigkeit angeht, kam ich von Anfang an überall gut mit und das kanadische Schulsystem begeisterte mich vor allem mit Toleranz, Entspanntheit und Abwechslung.

Die Stadt Victoria selbst habe ich kennen und lieben gelernt, sodass ich vor allem gegen Ende fast jeden Tag im 30 Minuten entfernten Downtown verbrachte und die zahlreichen Möglichkeiten ausnutze. Auch die Lage am Meer und das nahe Vancouver, sowie mehrere Golf-Inseln wurden des Öfteren besucht!

 

 Freundschaften schloss ich vor allem mit den anderen Austauschschülern, die größtenteils aus Brasilien, Mexiko, Japan, China, Deutschland und Frankreich kamen und später dann, nach anfänglicher Schüchternheit, auch mit vielen Kanadiern. Letzteres hat allerdings seine Zeit gedauert, da die Kanadier zwar nett und offen, allerdings auch schon sehr an Austauschschüler gewohnt sind.  Dadurch, dass wir uns alle in derselben Situation befanden, waren unsere Beziehungen ungewöhnlich tief und wir unternahmen jeden Tag etwas gemeinsam- Kanu fahren, Trips nach Tofino, Whistler, usw.,  schwimmen, Restaurants, Picknicks, usw.- sodass das von einer mexikanischen Freundin gesagte „We are not friends anymore- we are family“  es wohl ziemlich gut auf den Punkt bringt.

 

Ich könnte wohl noch tausende Dinge über jeden einzelnen Moment schreiben und doch muss man es selbst erlebt haben, dieses Austauschjahr, um wirklich verstehen zu können, wie besonders diese Zeit ist! Man trifft Menschen, mit denen man sein Leben lang Kontakt halten wird, hat ganz neue Schulfächer, erlebt tausend neue Dinge wie Mottotage in der Schule, Halloween, Victoria Day, etc., probiert neue Sportarten aus und lebt nicht nur ein weiteres Jahr in seinem Leben, sondern ein ganzes Leben in einem Jahr, sodass das Abschiednehmen vom Gastland und den Menschen dort noch viel schwerer fällt, als der Abschied von zuhause! Das oft so gerühmte „beste Jahr des Lebens“, ist eine Chance, die man unbedingt ergreifen muss, denn man wächst in so vieler Hinsicht daran! Also: Nutzt die Chance!!!

Viele Grüße,

Sina