Angelika Körner berichtet aus Whistler (British Columbia / Kanada)
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Ich bin jetzt seit genau 7 Wochen hier, und ich kann es nicht definieren, ob das lang ist oder kurz, manchmal scheine ich seit einer Ewigkeit hier zu sein, und dann kommt es mir wieder vor, als sei ich gerade erst angekommen.

Zuerst mal: Canada ist wunderschön, es gefällt mir wirklich total gut, es ist mein Traumland und es wird es von jetzt an immer bleiben.

Ich habe mich relativ schnell hier an das Leben gewöhnt, mich an den Rythmus meiner Familie und dem Leben hier in Canada angepasst, und mich so superschnell pudelwohl gefühlt. Den Jetlag hatte ich ziemlich schnell überwunden und so konnte es auch gleich in der ersten Woche richtig losgehen.
Die erste Woche war beeindruckend. Nach einigem Stress auf der Reise mit einem Rennen über den Flughafen in Toronto, einem verpassten Flug nach Vancouver und drei verlorenen Gepäckstücken kam ich schließlich in Vancouver an, wo ich dann zum ersten Mal auf meine Gastfamilie traf. Sie nahmen mich sofort freundlich in Empfang und wir verbrachten die erste Nacht in einem Hotel, was ich sehr nett fand, da sie mir damit die zweistündige Fahrt nach Whistler ersparten und mir gleichzeitig diese wunderschöne Fahrt am nächsten Tag ermöglichten, denn der Sea to Sky Highway ist wirklich etwas ganz besonderes. Und es war kein Problem, die verloren gegangenen Koffer wieder zu bekommen, die noch in der Nacht in Vancouver eintrafen.
Spät am nächsten Abend, nach einem anstrengenden Tag, trafen wir dann endlich in Whistler ein, meinem neuen zu Hause und dem zu Hause meiner Gastfamilie.
Da es schon dunkel war, konnte ich mir kein richtiges Bild machen, aber das was ich sah, beeindruckte mich doch ziemlich. Die Häuser, die Berge, die Straßen, all das wirkte auch im dunkeln ziemlich anders, ziemlich kanadisch und ziemlich schön.
Dann das Haus meiner Gastfamilie. Es ist ziemlich groß (was wir in Deutschland zumindest als groß bezeichnen würden). Es hat 4 Badezimmer und einen wirklich wahnsinnigen Ausblick.
Die ersten Tage mit meiner Gastfamilie waren recht spannend und interessant. Meine Gastfamilie besteht aus Mutter und Vater und zwei Söhnen, Tory 11 und Tarran 9. Außerdem wohnen mit uns im Haus, praktisch als Mitmieter, noch eine 25 jährige Snowboardlehrerin, die allerdings bald auszieht und ein 19jähriger, ziemlich cooler Meatcutter, den ich allerdings in den ersten Wochen nicht verstanden habe, da er ziemlich langsam spricht, dabei aber nuschelt. Aber inzwischen habe ich damit weniger Probleme.
Mit meinen beiden Gastbrüdern komme ich von Tag zu Tag besser klar. Auch wenn sie sich ziemlich oft streiten und mir manchmal damit doch auf die Nerven gehen, bei manchen Sachen kann ich einfach nicht wiederstehen. Sie haben ein unglaubliches Talent, mich zu irgendetwas zu überreden, wie ein Video ausleihen, einen Slurpy (ein gaaanz fantastisches Getränk) oder einen Kakao oder sonst was zu kaufen. Die ersten zwei Wochen waren sie etwas zurückhaltender - was soll man schon mit einer 16jährigen anfangen, die so gut wie kein Wort versteht von dem was man ihr erzählt und die aus Deutschland kommt und noch nie in ihrem Leben Pancakes mit Sirup gegessen hat. Doch inzwischen sind sie echt aufgetaut und ich kann fast alles mit ihnen machen.

Der erste Tag in der Schule. Wow, eine neue Welt. Auch wenn meine Schule sehr klein ist (nur 300 Schüler von Grade 8-12) war es am ersten Tag sehr verwirrend, denn das Schulgebäude ist ganz anders gebaut und aufgeteilt als ich es aus Deutschland kenne. Zudem lief wirklich jeder auf den Fluren rum, es war ein großes Chaos, noch dazu liefen die Lute aus Grade 12 alle in Pyjamas rum, weil es ihr letztes Schuljahr ist...
Ich konnte dann am ersten Tag meine Kurse wählen und wählte Art 11/12, Comparative Civilisations 12 und Desktop Publishing 11/12. Als viertes Fach konnte ich leider nichts wählen, da dort schon die zur Auswahl stehenden Kurse Biologie und Geography beide belegt waren. Ich selber wurde in Grade 11 eingestuft und ich werde somit nicht an den ganzen Graduation Parties teilnehmen können. Nach zwei Wochen habe ich mich dann entschieden meine Kusre zu wechseln, da ich einfach nicht besonders viel zu tun hatte und ich in dem Desktop Publishing Kurs nicht besonders zurecht kam und mir Sorgen machte, ob ich in Deutschland auch mitkommen würde. So wechselte ich dann in den Math12 Kurs. Zuerst dachte ich, es sei nicht so schwer, aber nach ein paar Stunden stellte sich das als ganz anders heraus. Innerhalb von zwei Wochen wird hier ein ganzes Thema behandelt und dann wird der Test geschrieben. Jeden Tag lernt man etwas neues und kriegt massenhaft Hausaufgaben auf, für Leute wie mich die in Mathe nicht gerade Leuchten sind nicht sehr einfach so schnell mit allem mitzukommen und dann auch noch auf Englisch. Mein Start in den Tests war leider auch nicht gerade der beste, am Anfang hatte ich etwas Probleme, die Fragen in den Tests zu verstehen und ich wusste zum Beispiel nicht, dass mein Mathetest ein Mutliple Choice Test war, was mich doch etwas verwundert hat. Hinterher hat mein Mathelehrer mich aufgeklärt (nachdem der Test aufgrund meines Denkens natürlich nichts geworden war) und ich hoffe, der zweite wird wohl besser werden. Auch das man einfach das, was eigentlich als Hausaufgabe aufgegeben war von der Tafel abschreiben darf und dann einfach abgeben kann, muss ein Austauschschüler erst mal rausfinden. Noch so eine Falle in die ich getappt bin - aufgrund von Verständnisproblemen waren meine Hausaufgaben nicht vollständig und ich gab sie trotzdem ab. Am nächsten Tag nachdem die Hausaufgabe benotet wurden, wurde mir gesagt ich hätte auch einfach das, was ich von der Tafel abgeschrieben hatte abgeben dürfen. Die Lehrerin hatte mir Punkte abgezogen, weil sie gedacht hatte ich hätte nicht aufgepasst, weil sie natürlich nicht wusste, dass ich trotzdem alles schön abgeschrieben hatte und abgeheftet hatte.
Die Schule hier ist sehr anders. In der ersten Woche hatten wir jeden morgen 45min lang Homeroom, wo man alles Mögliche klären kann und die Formalitäten erledigt werden. Jetzt haben wir Homeroom allerdings nicht mehr, nur manchmal wenn jemand Geburtstag hat.
Der Unterricht fängt hier um 8.35 an. Die Stunden sind um die 80min lang. Nach dem ersten Block, dem A Block gibt es eine 15min Pause und danach geht es mit dem B Block weiter. Darauf folgt Lunch, 45 Minuten, in denen man machen kann, was man möchte, zum Laden um die Ecke gehen und sich etwas kaufen oder im Cafe nebenan sitzen, in die Bibliothek oder ins Computerlab gehen und arbeiten oder einfach nur im Internet surfen oder einfach nur herumsitzen. Darauf folgen dann noch der C und D Block. Die Tage wechseln sich immer ab, einen Tag haben wir A,B,C,D und am nächsten Tag dann D,C,B,A.
Zur Schule und manchmal auch zurück fahre ich meistens mit dem Schulbus. Morgens werden alle nacheinander eingesammelt und dieser Schulbus hält wirklich alle 200 Meter. Nachmittags nach der Schule war das ganze am Anfang etwas verwirrender, weil Nachmittags andere Routen gefahren werden und dementsprechend auch andere Leute im Bus sitzen und die Busfahrer andere sind. Die ersten Wochen hatte ich nach der Schule einen Busfahrer, der bei allen Schülern hier in Whistler unglaublich beliebt ist und den auch alle kennen und lieben. Sein Bus wird nur "Arnies Bus" genannt. Leider ist er jetzt nicht mehr mein Busfahrer, doch ab und zu lässt er sich doch noch blicken und dann ist die Freude bei allen groß.

Es gibt hier einige Activities, an denen man Nachmitags teilnehmen kann, wie zum Beispiel das Volleyballteam, Hockey oder Fußball für die Jungs. Diese Angeote wechseln aber von Zeit zu Zeit,im Winter wird dann anderes angeboten und im Sommer dann wieder etwas anderes.
Ich bin zur Zeit im Feldhockeyteam, was sehr lustig ist, da es nicht besonders ernst ist und eine Mutter eines Mädchens die Trainerin ist. Für mich ist es schön, weil ich Feldhockey auch schon in Deutschland gespielt habe.
Außerdem bin ich dem Highschool Gymnastics team beigetreten, was ich mir aber noch überlegen werde, weil es sehr teuer ist und dem Whistler Soccer Club, wo ich einmal oder zweimal die Woche trainiere und auch Spiele gegen andere Teams spielen kann.

Whistler selbst ist ein Touristenort 120km nördlich von Vancouver und sehr europäisch. Zum Beispiel gibt es ein so genanntes "Village" das wie eine deutsche Fußgängerzone ist. Das ist das Zentrum der Stadt. Hier wohnen viele Leute mit europäischem Ursprung oder Europäer, Australier oder Neuseeländer, die hierher gekommen sind. Auch leben hier viele französisch sprechende Kanadier und es ist nicht selten, französisch auf der Straße zu hören. Außerdem ist Whistler ein weltbekanntes Skiresort. 2010 werden hier die Olympischen Spiele ausgetragen und das Olympische Fieber kann man jetzt schon spüren. Überall auf dem Weg nach Whistler wird die Straße ausgebaut, neue Häuser werden gebaut und überall wird für Olympia geworben.
In der Schule habe ich zum Beispiel auch ein paar Skirennfahrer, die mitten im Schuljahr dann einfach irgendwann auftauchen und wieder verschwinden, um in aller Welt zu trainieren wie z.B Österreich, Australien oder Chile.

Auch wenn ich noch nicht besonders viel herumgekommen bin und über die Nachbarorte Squamish und Pemberton noch nicht viel hinaus war, habe ich schon allerhand erlebt. Zum Beispiel habe ich schon zweimal einen Bären gesehen und es hat mich jedes Mal erstaunt wie ruhig die Leute bleiben und Bären sind zu meinen neuen Lieblingstieren geworden. Ich muss sagen, es gibt einem einen ganz schönen Adrenalinkick, wenn man sich umdreht und zwei Meter hinter einem auf einmal ein Bär steht.

Die Kanadier sind die freundlichsten Menschen die ich je getroffen habe. Es wird sich immer bedankt, freundlich entschuldigt ohne Grund, und das einfach immer und überall. Kommt man in ein Geschäft kann man sicher sein, dass man freundlich begrüßt wird und auch wenn man mit Traveller Checks bezahlen will, was etwas umständlich ist, oder man mit dem Geld noch nicht so zurecht kommt, lassen sich die Leute nicht aus der Ruhe bringen und bleiben geduldig und freundlich. Auch wird man aus Prinzip im Bus immer begrüßt und wirklich komisch angeguckt wenn man es mal vergisst. Und bevor man aussteigt, darf man auf keinen Fall vergessen sich beim Busfahrer zu bedanken. Die ersten paar Tage war das wirklich komisch, aber man beginnt sich dran zu gewöhnen und es auch zu schätzen. Das wird eins der Dinge sein, die ich wirklich in Deutschland vermissen werde.

Ich bin gespannt, was mir die nächsten Monate hier noch bringen werden. Im Moment hofft hier jeder auf Schnee im Tal und auf die Eröffnung des Skigebiets und ich denke ich werde hier noch einigen Spaß haben. Die Zeit geht allerdings viel zu schnell vorbei doch ich hoffe noch viel zu erleben und werde es genießen so gut ich kann!!!
 

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